Heutiges Thema ist Nietzsche.
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Friedrich Nietzsche ist am 15. Oktober
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1844
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in einem kleinen Dorf namens Röcken in
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Preußen geboren. Sein Vater Karl Ludwig
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ist ein protestantischer Pfarrer
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gewesen. Deshalb hat die Religion in
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Friedrichs Kindheit eine sehr große
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Rolle gespielt. Die Familie hat in einem
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Pfarrhaus direkt neben der Kirche
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gewohnt. Friedrich ist ein ruhiges und
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sehr braves Kind gewesen. Er hat oft in
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der Bibel gelesen und hat den Spitznamen
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der Kleine Pastor bekommen. Doch das
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Glück der Familie ist nicht lange
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geblieben. Im Jahr 1849
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ist sein Vater an einer Gehirnkrankheit
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gestorben. Friedrich ist zu diesem
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Zeitpunkt erst 4 Jahre alt gewesen. Nur
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ein Jahr später ist auch sein kleiner
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Bruder verstorben. Diese traurigen
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Ereignisse haben die Familie
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erschüttert. Seine Mutter ist mit
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Friedrich und seiner Schwester Elisabeth
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nach Naumburg gezogen. Dort ist er in
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einem Haushalt aufgewachsen, der nur aus
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Frauen bestanden hat. seine Mutter,
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seine Schwester, seine Großmutter und
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zwei Tanten. In Naumburg hat Friedrich
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angefangen, Musik zu lieben. Er hat
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Klavier gespielt und hat sogar
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angefangen, eigene kleine Lieder zu
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komponieren. In der Schule ist er ein
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exzellenter Schüler gewesen, besonders
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in den Fächern Religion, Literatur und
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Sprachen. Seine Lehrer haben schnell
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gemerkt, dass er eine außergewöhnliche
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Begabung hat. Er hat ein Stipendium für
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die berühmte Landesschule Forter
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bekommen. Das ist eine sehr strenge
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Schule gewesen, in der er viel über die
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antiken Griechen und Römer gelernt hat.
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Dort hat er angefangen, an der Religion
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zu zweifeln, obwohl er eigentlich
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Pfahrer werden sollte. Nach seiner
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Schulzeit hat Friedrich Nietzsche
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angefangen in Bonn zu studieren.
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Zuerst hat er sich für Theologie
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eingeschrieben, weil seine Mutter
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wollte, dass er Pfarrer wird. Aber schon
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nach einem Semester hat er gemerkt, das
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ist nicht mein Weg. Er hat den Glauben
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an Gott fast ganz verloren. Deshalb hat
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er das Fach gewechselt und hat
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angefangen klassische Philologie, die
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Wissenschaft von alten Sprachen und
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Texten zu studieren.
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Er ist dann nach Leipzig umgezogen, weil
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dort ein sehr berühmter Professor
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unterrichtet hat.
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In Leipzig ist Nietzsche absoluter Star
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an der Universität gewesen. Er hat so
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viel und so schnell gelernt, dass alle
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Professoren über ihn gestaunt haben. Er
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hat alte griechische Texte analysiert
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und hat wissenschaftliche Artikel
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geschrieben, die in ganz Deutschland
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gelesen worden sind. Er hat die
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griechische Kultur nicht nur als Hobby
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gesehen, sondern er hat sie
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leidenschaftlich geliebt. Er hat
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geglaubt, dass wir von den alten
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Griechen lernen können, wie man ein
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starkes und ehrliches Leben führt.
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Dann ist etwas Unglaubliches passiert.
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Die Universität Basel in der Schweiz hat
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einen neuen Professor gesucht. Obwohl
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Nietzsche noch keinen Doktortitel hatte
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und erst 24 Jahre alt gewesen ist, hat
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die Universität ihm den Job angeboten.
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Sein Professor in Leipzig hat einen
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Brief nach Basel geschrieben und gesagt:
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"Nietzche ist ein Genie. Er kann alles
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machen, was er will."
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So ist Nietzsche Jahr 1869
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der jüngste Professor für Philologie in
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ganz Europa geworden. Das ist eine
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riesige Sensation in der akademischen
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Welt gewesen. Aber das Leben als
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Professor ist nicht nur einfach gewesen.
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Er hat viele Vorlesungen halten müssen
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und hat oft bis spät in die Nacht
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gearbeitet. Seine Gesundheit ist schon
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damals schwach gewesen. Er hat oft
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schlimme Kopfschmerzen und Probleme mit
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den Augen gehabt. Trotzdem hat er in
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Basel eine sehr wichtige Entdeckung
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gemacht, die Philosophie von Arthur
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Schopenhauer.
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Er hat ein Buch von Schopenhauer in
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einem Antiquariat gefunden, es gelesen
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und sofort gedacht, dieser Mann versteht
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die Welt genau wie ich. Diese Entdeckung
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hat sein Denken für immer verändert und
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ihn langsam von der reinen Wissenschaft
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zur Philosophie geführt. Im Jahr 1868
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ist etwas passiert, das Nietzsches
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ganzes Leben erschüttert hat. Er hat den
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berühmten Komponisten Richard Wagner
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kennengelernt. Nietzsche ist zu dieser
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Zeit ein junger Professor gewesen und
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hat Wagners Musik leidenschaftlich
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geliebt. Er hat in Wagner nicht nur
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einen Musiker gesehen, sondern ein
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echtes Genie.
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Wagner ist viel älter als Nietzsche
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gewesen, aber die beiden Männer haben
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sich sofort verstanden. Sie haben beide
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die griechische Antike geliebt und haben
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geglaubt, dass die moderne Kultur in
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Deutschland eine neue starke Kunst
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braucht. Wagner hat damals in einem
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wunderschönen Haus in Triebschen an
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Vierwaldstädtersee in der Schweiz
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gewohnt. Nietzsche ist dort ein sehr
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häufiger Gast gewesen. Er hat dort fast
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wie ein Familienmitglied gelebt. Er hat
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mit Wagners Frau Kosima Klavier gespielt
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und hat viele Stunden mit Richard Wagner
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über Philosophie und Kunst diskutiert.
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In dieser Zeit ist Nietzsche sehr
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glücklich gewesen. Er hat das Gefühl
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gehabt, dass er einen geistigen Vater
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gefunden hat. Er hat Wagner bei seinen
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Projekten geholfen und hat sogar Werbung
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für Wagners große Opern in Beut gemacht.
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Aber mit der Zeit ist die Freundschaft
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schwieriger geworden. Nietzsche hat
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gemerkt, dass Wagner ein sehr dominanter
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Mensch gewesen ist. Wagner hat von
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seinen Freunden totale Treue verlangt.
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Er hat nicht akzeptiert, dass Nietzsche
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eigene Ideen gehabt hat. Außerdem hat
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Nietzsche angefangen, Wagners
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politischen Ansichten kritisch zu sehen.
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Wagner ist sehr nationalistisch gewesen
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und hat Dinge gesagt, die Nietzsche
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schrecklich gefunden hat. Der größte
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Schock für Nietzsche ist jedoch Wagners
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letzter Opa Parifal gewesen. Nietsche
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hat gedacht, dass Wagner zu religiös
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geworden ist. Er hat gesagt, Wagner ist
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vor dem christlichen Kreuz auf die Knie
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gefallen. Der Bruch zwischen den beiden
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Männern ist sehr schmerzhaft gewesen.
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Sie haben aufgehört miteinander zu
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sprechen. Nietzsche hat später mehrere
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Bücher geschrieben, in denen er Wagner
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scharf kritisiert hat. Z.B. der
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Fallwagner. Er hat seinen alten Freund
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einen Schauspieler genannt. Doch trotz
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des Streits hat Nietzsche Wagner nie
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ganz vergessen. Sogar als er später
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krank gewesen ist, hat er immer noch mit
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Tränen in den Augen an die glücklichen
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Tage in Triebschen gedacht. Diese
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Enttäuschung hat ihn einsamer gemacht,
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aber sie hat ihn auch gezwungen, seinen
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eigenen unabhängigen Weg als Philosoph
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zu finden. Im Jahr 1872
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hat Nietzsche sein erstes großes Buch
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veröffentlicht. Der Titel ist Die Geburt
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der Tragödie aus dem Geiste der Musik
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gewesen. Nietzsche hat in diesem Buch
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nicht wie ein normaler Professor
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geschrieben. Er hat versucht zu
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erklären, warum die alten griechischen
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Theaterstücke, Tragödien so wichtig für
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uns sind. Er hat zwei wichtige Götter
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als Symbole benutzt, Apollon und
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Dionysos. Apollon ist der Gott des
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Lichts, der Ordnung und der Logik
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gewesen. Dionisos dagegen ist der Gott
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des Weins, des Rausches und des Chaos
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gewesen. Nietzsche hat behauptet, dass
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das Leben beide Seiten braucht. Er hat
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geschrieben, dass die moderne Welt zu
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viel Apollon, nur Logik und Regeln und
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zu wenig Dionysos, Gefühl und
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Leidenschaft hat. Er hat gehofft, dass
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die Musik von Richard Wagner diese alte
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Energie zurück nach Deutschland bringen
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kann. Die Reaktion der anderen
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Professoren ist schrecklich gewesen. Ein
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junger Wissenschaftler namens Ulrich von
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Wilowitz Möllendorf hat eine sehr böse
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Kritik geschrieben. Er hat gesagt, dass
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Nietzsches Buch keine echte Wissenschaft
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ist, sondern nur Fantasie. Fast alle
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Studenten in Basel haben daraufhin
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aufgehört, seine Vorlesungen zu
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besuchen. In einem Semester hat
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Nietzsche noch zwei Studenten gehabt.
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Die akademische Welt hat ihn ignoriert
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und als verrückten Professor gesehen.
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Dieser Misserfolg hat Nietzsche sehr weh
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getan, aber er hat nicht aufgegeben. Er
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hat gemerkt, dass er kein klassischer
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Phylologe mehr sein wollte. Er hat
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verstanden, dass er ein Philosophun
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sein musste. Er hat angefangen, über die
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Probleme der ganzen Kultur nachzudenken
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und nicht nur über alte Texte. Dieses
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Buch ist der Anfang seines einsamen
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Weges gewesen. Er hat gewusst, dass die
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Menschen ihn erst viel später verstehen
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würden, aber er hat auch gemerkt, dass
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seine Gesundheit schlechter geworden
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ist. Die Anstrengung und der Stress
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haben seine Augen und seinen Kopf krank
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gemacht. Im Jahr
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hat Friedrich Nietzsche eine schwere
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Entscheidung treffen müssen. Seine
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Gesundheit ist so schlecht gewesen, dass
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er nicht mehr unterrichten konnte. Er
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hat fast jeden Tag schreckliche Migräne
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gehabt. Sein Magen ist ständig krank
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gewesen und er ist fast blind geworden.
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Er hat der Universität in Basel einen
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Brief geschrieben und hat seine
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Professur aufgegeben. Die Universität
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ist sehr nett gewesen und hat ihm eine
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kleine Rente Geld gegeben. Mit nur 34
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Jahren ist Nietzsche Rentner geworden
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und hat angefangen wie ein Nomade zu
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leben. Er hat kein festes Zuhause mehr
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gehabt. Er hat seinen Koffer gepackt und
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ist 10 Jahre lang durch Europa gereist.
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Er hat immer Orte mit gutem Wetter
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gesucht. Im Winter ist er oft an die
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italienische Riviera oder nach Nizza in
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Frankreich gefahren, weil es dort warm
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und sonnig gewesen ist. Im Sommer hat er
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die kühle Luft in den Schweizer Alpen
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geliebt. Sein Lieblingsort ist das
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kleine Dorf Silz Maria gewesen. Er hat
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dort in einem sehr einfachen, dunklen
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Zimmer gewohnt und hat fast den ganzen
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Tag draußen in der Natur verbracht.
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Nietzsche ist ein extremer Wanderer
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gewesen. Er ist jeden Tag 6 bis 8
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Stunden gelaufen. Während dieser langen
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Spaziergange hat er über seine
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Philosophie nachgedacht. Er hat immer
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ein kleines Notizbuch dabei gehabt. Da
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seine Augen so schwach gewesen sind, hat
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er seine Gedanken oft sehr schnell und
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kurz aufgeschrieben. Er hat gesagt, dass
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nur die Gedanken gut sind, die man beim
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Gehen hat. Er hat in dieser Zeit sehr
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wenig Kontakt zu Menschen gehabt. Die
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Leute in den Hotels haben ihn oft für
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einen merkwürdigen, einsamen Mann
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gehalten. Aber niemand hat gewusst, dass
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er gerade die Welt der Philosophie
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verändert. Das Leben im Exil ist für ihn
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eine Befreiung gewesen, aber es hat ihn
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auch sehr traurig gemacht. Er hat sich
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oft einsam gefühlt und hat keine Freunde
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mehr gehabt, die ihn verstehen konnten.
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Er hat Bücher wie menschliches, Allzu
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Menschliches und die fröhliche
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Wissenschaft geschrieben. In diesen
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Büchern hat er alles kritisiert, die
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Politik, die Religion und die Moral. Er
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hat sich wie ein Geist gefühlt, der über
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der Welt schwebt. Er hat gewusst, daß er
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ein dynamisches Schicksal hat, aber der
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Preis für diese Freiheit ist totale
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Isolation gewesen. Im Jahr 1882
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hat Nietzsche in Rom junge Frau aus
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Russland kennengelernt, Lou Andreas
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Salomi. Lou ist erst 21 Jahre alt
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gewesen, aber sie ist unglaublich
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intelligent, frei und mutig gewesen.
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Nietsche ist sofort fasziniert gewesen.
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Er hat gedacht, dass er endlich einen
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Menschen gefunden hat, der seinen Geist
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verstehen kann. Er hat zu seinem Freund
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Paul Re gesagt: "Lou ist die klügste
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Person, die ich je getroffen habe."
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Nietzsche hat einen ungewöhnlichen Plan
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gehabt. Er hat vorgeschlagen, dass Lou,
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sein Freund Paul Re und er zusammen in
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einer intellektuellen Dreiergruppe
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leben. Sie wollten gemeinsam in Paris
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oder Berlin wohnen und nur über
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Philosophie und Kunst diskutieren. Doch
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Nietzsche hat mehr gewollt als nur
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Freundschaft. Er hat sich tief in Lou
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verliebt und hat ihr sogar zweimal einen
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Heiratsantrag gemacht. Aber Lou hat nein
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gesagt. Sie hat ihre Freiheit geliebt
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und hat keine Ehefrau sein wollen.
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Dieser Korb hat Nietzsche das Herz
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gebrochen. Er hat sich von seinen
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Freunden Paul und Lou betrogen gefühlt,
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weil er gedacht hat, dass die beiden ein
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Geheimnis vor ihm haben. Es hat einen
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großen Streit gegeben und am Ende ist
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Nietzsche wieder ganz allein gewesen. Er
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ist in eine sehr tiefe Depression
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gefallen. Er hat in seinen Briefen
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geschrieben, dass er sich wie ein halber
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Toter fühlt. Er hat sich in sein Zimmer
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in Sils Maria zurückgezogen und hat
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tagelang mit niemandem gesprochen. Aber
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aus diesem schrecklichen Schmerz ist
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etwas Gigantisches entstanden. Nietzsche
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hat seine ganze Energie und seine Trauer
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in seine Arbeit gesteckt. Er hat
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angefangen, sein wichtigstes Buch zu
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schreiben. Also sprach Zarhustra. Er hat
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später gesagt, daß er dieses Buch nur
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schreiben konnte, weil er so sehr
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gelitten hat. Die Figur des Zarathustra
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ist für ihn ein Lehrer gewesen, der
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zeigt, wie man trotz Schmerz und
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Einsamkeit ein Übermensch wird. Lou ist
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also die Inspiration für sein größtes
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Werk gewesen, obwohl sie ihn verlassen
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hat. In seinen Büchern hat Nietzsche
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eine Nachricht verkündet, die die
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Menschen schockiert hat. Er hat den
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berühmten Satz geschrieben: "Gott ist
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tot."
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Damit hat er nicht gemeint, dass Gott
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wirklich gestorben ist. Er hat gemeint,
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dass die Religion für die moderne Welt
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nicht mehr wichtig gewesen ist. Er hat
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gesehen, dass die Wissenschaft und die
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Vernunft immer stärker geworden sind. Er
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hat sich Sorgen gemacht. Wenn die
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Menschen nicht mehr an Gott glauben,
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woran sollen sie sich dann halten? Er
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hat befürchtet, daß die Welt ohne Gott
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in ein großes Chaos oder in den
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Nihilismus den Glauben an das Nichts
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fallen würde. Deshalb hat Nietzsche eine
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Lösung gesucht. Er hat gesagt, dass wir
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eine Umwertung aller Werte brauchen. Er
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hat die christliche Moral kritisiert und
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hat sie als Sklavenmoral bezeichnet. Er
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hat gedacht, dass diese Moral die
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starken Menschen schwach macht, weil sie
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Mitleid und Demut feiert. Stattdessen
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hat er die Herrenmoral gelobt. Er hat
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gewollt, dass der Mensch mutig und stolz
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ist und seine eigenen Regeln schafft. Er
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hat den Menschen gesagt: "Seid keine
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Schafe in einer Herde, seid Individuen."
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Ein zentraler Begriff in dieser Zeit ist
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der Übermensch gewesen. Der Übermensch
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ist für Nietzschei für die Menschheit
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gewesen. Er hat sich einen Menschen
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vorgestellt, der über sich selbst
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hinauswächst. Dieser Mensch sollte nicht
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mehr auf den Himmel hoffen, sondern das
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Leben auf der Erde mit allen Schmerzen
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und Freuden lieben. Er hat auch die Idee
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der ewigen Wiederkunft entwickelt. Er
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hat gefragt: "Wenn du dein Leben
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unendlich oft genauso noch einmal leben
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müsstest, hättest du Angst oder wärst du
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glücklich?" Mit dieser Frage hat er die
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Menschen gezwungen, jede Sekunde ihres
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Lebens wichtig zu nehmen. Nietzsche hat
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gewusst, dass seine Ideen sehr
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gefährlich gewesen sind. Er hat sich
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selbst oft als Dynamit bezeichnet. Er
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hat geglaubt, dass er die alte Welt
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sprengen muss, um Platz für etwas Neues
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zu machen. Aber diese radikalen Gedanken
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haben ihn noch einsamer gemacht. Fast
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niemand hat seine Bücher gekauft und die
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wenigen Leser haben ihn oft
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missverstanden. Er hat sich wie ein
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Prophet gefühlt, der in der Wüste
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spricht und den niemand hört, aber er
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hat trotzdem immer weitergeschrieben,
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weil er überzeugt gewesen ist, dass er
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die Wahrheit entdeckt hat. In den Jahren
16:22
1887
16:24
und 1888
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hat Nietzsche fast wie in einem Rausch
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gearbeitet. Er hat das Gefühl gehabt,
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dass er nur noch wenig Zeit hat. Deshalb
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hat er in sehr kurzer Zeit viele Bücher
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geschrieben, z.B. jenseits von Gut und
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Böse und der Antichrist.
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In diesen Werken ist er noch radikaler
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geworden. Er hat das Konzept vom Willen
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zur Macht erklärt. Er hat geglaubt, dass
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alles Leben auf der Welt, Tiere,
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Pflanzen und Menschen immer stärker
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wachsen und mehr Macht haben möchte. Für
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ihn das kein böser Wille gewesen,
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sondern die natürliche Energie des
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Lebens.
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Nietzsche hat sich in dieser Zeit immer
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mehr wie ein Kämpfer gefühlt. Er hat die
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moderne Kultur seiner Zeit gehasst. Er
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hat gedacht, dass die Menschen in Europa
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dekadent, schwach und krank geworden
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sind. Besonders das Christentum hat er
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hart angegriffen. Er hat sich selbst als
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den größten Feind der alten Moral
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gesehen. Er hat sogar ein Buch mit dem
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Titel Etche Homo geschrieben, indem er
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Kapitelüberschriften wie "Warum ich so
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weise bin oder warum ich so gute Bücher
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schreibe" benutzt hat. Die Leute haben
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damals gedacht, daß er sehr arrogant
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ist, aber vielleicht ist es schon ein
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Zeichen für seine kommende Krankheit
17:48
gewesen.
17:50
Obwohl er so viel geschrieben hat, ist
17:52
er ein armer und einsamer Mann
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geblieben. Er hat fast kein Geld mit
17:57
seinen Büchern verdient. Er hat oft
17:59
allein in kleinen Restaurants gegessen
18:01
und ist stundenlang bei jedem Wetter
18:04
gewandert. Seine Briefe an seine Freunde
18:07
sind in dieser Zeit immer seltsamer
18:09
geworden. Er hat angefangen, sich mit
18:11
großen historischen Figuren zu
18:13
vergleichen. Er hat geglaubt, dass er
18:16
die Geschichte der Menschheit in zwei
18:18
Teile teilt, die Zeit vor Nietzsche und
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die Zeit nach Nietsche. Am Ende des
18:24
Jahres 1888
18:26
ist er nach Turin in Italien gezogen. Er
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hat diese Stadt geliebt, weil die
18:31
Straßen dort so ordentlich und das Licht
18:34
so hell gewesen ist. Er ist dort für
18:37
kurze Zeit sehr glücklich gewesen. Er
18:39
hat viel Musik gehört und hat gedacht,
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dass er endlich gesund wird. Aber das
18:44
ist leider nur eine Illusion gewesen.
18:47
Sein Gehirn ist durch die jahrelange
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schwere Arbeit und seine chronischen
18:51
Schmerzen völlig erschöpft gewesen. Die
18:54
dunklen Wolken sind immer näher gekommen
18:56
und bald hat er die Kontrolle über seine
18:59
Gedanken verloren. Im Januar 1889
19:03
ist das Unglück in Turin passiert.
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Friedrich Nietzsche ist aus seiner
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Wohnung auf den Marktplatz gegangen.
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Dort hat er eine schreckliche Szene
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gesehen. Ein Kutscher hat ein altes
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Pferd sehr grausam mit einer Peitsche
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geschlagen. Nietzsche hat das Tier
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gesehen und hat plötzlich ein tiefes
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Mitleid gefühlt. Er ist zu dem Pferd
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gelaufen, hat seine Arme um den Hals des
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Tieres gelegt und hat laut geweint.
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Danach ist er bewusstlos auf der Straße
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zusammengebrochen.
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Vermieter haben ihn zurück in sein
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Zimmer gebracht. Aber er ist nicht mehr
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derselbe Mensch gewesen. Er hat
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angefangen, verrückte Briefe an seine
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Freunde und sogar an Könige zu
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schreiben. Er hat diese Briefe mit
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Dionys oder der Gekreuzigte
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unterschrieben. Sein treuer Freund Franz
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Overbeck ist sofort nach Turin gefahren,
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um ihm zu helfen. Als Overbeck
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angekommen ist, hat der Nietzsche in
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einem schrecklichen Zustand gefunden.
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Der große Philosoph hat getanzt,
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gesungen und hat nicht mehr gewußt, wer
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er eigentlich ist.
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Overbeck hat Nietzsche mit dem Zug
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zurück nach Basel in eine Klinik für
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Nervenkranke gebracht. Die Ärzte haben
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dort eine schwere Krankheit im Gehirn
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diagnostiziert.
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Nietzsche hat nicht mehr logisch
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sprechen können und hat seine Freunde
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oft nicht mehr erkannt. Später hat seine
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Mutter ihn in ihr Haus nach Naumburg
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geholt. Sie hat ihm dort viele Jahre
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lang gepflegt, genau wie ein kleines
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Kind. Er hat stundenlang am Fenster
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gesessen und hat ins Leere geschaut. In
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dieser Zeit hat Nietzsche nicht mehr
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gewußt, daß er ein berühmter Mann
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geworden ist. Während er in der
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geistigen Dunkelheit gelebt hat, haben
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Menschen auf der ganzen Welt angefangen,
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seine Bücher zu lesen. Er ist eine
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Legende geworden, aber er hat davon
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nichts mehr verstanden. Er hat die
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letzten 11 Jahre seines Lebens in tiefer
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Stille verbracht. Er hat keine
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Philosophie mehr geschrieben und hat nie
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wieder ein Wort über den Übermensch oder
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den Willen zur Macht gesagt. Seine Reise
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als Denker ist an diesem kalten
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Januartag in Turin für immer zu Ende
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gegangen. Nach vielen Jahren der
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Krankheit ist Friedrich Nietzsche am 25.
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August 1900 in Weimar gestorben. Er hat
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eine Lungenentzündung gehabt und sein
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Körper ist zu schwach gewesen. Er hat
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bis zum Ende nicht mehr gewusst, wer er
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war. Man hat ihn in seinem
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Geburtsortröcken
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neben seinem Vater begraben. Zu seinem
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Begräbnis sind nur wenige Menschen
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gekommen, aber in der Welt der Literatur
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und Philosophie ist er zu diesem
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Zeitpunkt bereits ein Superstar gewesen.
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Doch nach seinem Tod ist etwas
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Problematisches passiert. Seine
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Schwester Elisabeth Firstster Nietzsche
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hat seinen gesamten Nachlaß, seine
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Briefe und Manuskripte übernommen. Sie
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ist eine sehr dominante Frau gewesen und
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hat die Ideen ihres Bruders nicht
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wirklich verstanden. Schlimmer noch, sie
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hat seine Texte manipuliert, sie hat
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Sätze gelöscht oder verändert, damit die
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Philosophie von Nietzsche zu ihren
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eigenen extremistischen und
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nationalistischen Ideen passte. Im 20.
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Jahrhundert haben die
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Nationalsozialisten
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diese verfälschten Texte benutzt. Sie
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haben Nietzsche als ihren Propheten
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gefeiert. Sie haben den Begriff
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Übermensch genommen und ihn rassistisch
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interpretiert. Das hat Nietzsches Ruf
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für viele Jahrzehnte fast zerstört. Die
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Menschen haben gedacht, dass Nietzsche
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böser Denker war, der Gewalt und Hass
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geliebt hat. Aber das ist eine Lüge
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gewesen, denn Nietzsche hat den
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Nationalismus und den Antisemitismus
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Zeit seines Lebens gehasst. Erst nach
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dem Zweiten Weltkrieg haben ehrliche
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Wissenschaftler angefangen, die
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Originaltexte von Nietzsche
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wiederzufinden.
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Sie haben gezeigt, dass Elisabeth
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gelogen hat. Heute wissen wir, Nietzsche
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ist ein Philosophit
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und der individuellen Stärke gewesen. Er
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hat uns gelehrt, dass wir mutig sein
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müssen und dass wir unser Schicksal
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selbst in die Hand nehmen sollen. Sein
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Erbe ist heute in der Kunst der
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Psychologie und der Philosophie überall
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auf der Welt lebendig. Er ist als
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einsamer Mensch gestorben, aber seine
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Gedanken leben in Millionen Köpfen
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weiter.
#Literary Classics
#Social Sciences

